Horst Gehann (1928-2007)

Horst Gehann (*1928), als Sohn siebenbürgischer Eltern in Frankfurt/Main geboren, nahm, nachdem die Familie 1937 nach Rumänien zurückgekehrt war, Unterricht in Harmonielehre, Kontrapunkt, Klavier, Orgel, Cembalo und Dirigieren bei Franz Xaver Dressler in Hermannstadt. In dessen Kirchenkonzerten und in den Aufführungen des Hermannstädter Bach-Chors wirkte er während seiner Schulzeit als Organist und Cembalist mit. Neben einem Theologiestudium setze er seine musikalischen Studien bei Victor Bickerich in Kronstadt (Orgel) und bei Mihail Jora in Bukarest (Komposition) fort. 1955 legte er in Bukarest das Solistenexamen als Organist ab. Sein Debüt als Konzertorganist gab er 1956 im Konzertsaal des Bukarester Athenäums. Seither war er ständiger Gastsolist der Bukarester Philharmonie und des rumänischen Rundfunks und Fernsehens. Gleichzeitig unterrichtete er Kirchenmusik am Theologischen Seminar in Bukarest. Oft und bevorzugt spielte Gehann auf den alten, original erhaltenen Barockorgeln Siebenbürgens und machte Schallplatteneinspielungen und Aufnahmen für den Rundfunk. 1967 gründete er in Bukarest das vokal-instrumentale Ensemble "Pro Musica", mit dem er vor allem Werke Johann Sebastian Bachs aufführte.

 

Gehann trat auch als Komponist hervor: Die Leipziger Thomaner sangen zwei seiner Choralmotetten in Uraufführung, in Neumarkt (Târgu Mureş) wurde sein Orgelkonzert uraufgeführt, verschiedene Rundfunkanstalten nahmen Orgelwerke von ihm auf.

 

Als Solist und Vortragender war Gehann Gast der Funkhäuser in Berlin, München, Frankfurt, Köln, Hamburg, Stuttgart, Baden-Baden, Wien, Bern, Lausanne, Warschau, Wilnius. Während der Ceauşescu-Diktatur sah er sich politischer Diskriminierung und Verfolg ausgesetzt und musste Jahre ohne Amt und Stellung auskommen. Er entschloss sich - wie viele andere in ähnlicher Situation - nach Deutschland auszusiedeln. Die Ausreisegenehmigung aber erhielt er erst 1972 auf Intervention des damaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann. In Darmstadt übernahm er eine Lehrstelle am Theologischen Seminar und gründete dort 1974 den "Kammerchor Marienhöhe". 1980 rief er in Darmstadt das Kammerorchester "Pro Musica" und 1981 den Bach-Chor ins Leben. Auch danach stellte er das Werk Bachs in den Mittelpunkt. Als gastierender Organist, als Dirigent seiner Ensembles - mit denen er auch Konzertreisen, nicht zuletzt nach Rumänien unternahm, als Orchesterdirigent, als ehrenamtlicher Leiter einiger musikalischer Gesellschaften, als Verleger und nicht zuletzt als Komponist stand er bis zu seinem Tod ungewöhnlich aktiv im musikalischen Leben. Insbesondere setzte er sich für das Werk Waldemar von Baußnerns ein.

 

Karl Teutsch

 

Literatur:

Karl Teutsch: Beiträge zur Musikgeschichte der Siebenbürger Sachsen III = Musikgeschichtliche Studien 4c, hrsg. von dems., Gehann-Musik-Verlag, Kludenbach 1999, S. 81 und 189f.